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Handelsblatt: Der G999 Betrug

Schauspielerin Sophia Thomalla wirbt für dubioses Blockchain-Projekt

Superheldinnenlandung: Staub wirbelt vom Boden auf, als Sophia Thomalla (31) in roter Lacklederkluft vom Himmel fällt. Dann stiefelt die Schauspielerin in roten Stilettos mit wehenden Haaren durchs Bankenviertel von Dubai. „Change the world“ lautet das im Werbevideo eingeblendete Motto. Konkret scheint Thomalla eine Art virtuelles Konto zu eröffnen.

Dann greift sie nach einem goldenen Hammer, Modell Thor. Sie schwingt das Ungetüm und zerschlägt damit einen Goldbrocken. „Now you are ready“, sagt Josip Heit (42). Er spielt in dem Video den „Chairman“ eines futuristischen Konzerns.

Der Werbespot endet mit einer beschwörend in die Kamera blickenden Thomalla und einer übergroßen Goldmünze, die sich in der Luft um sich selbst dreht. Sie trägt die Aufschrift „G999“.

G999 steht für das Blockchain-Projekt der Hamburger Firma Gold Standard Banking Cooperation AG (GSB). Unternehmenschef ist Josip Heit. Er mischte zuletzt bei der in Stuttgart ansässigen Karatbars-Gruppe mit. Mit deren virtueller Währung, dem sogenannten Karatgold Coin (KBC), verloren Anleger Millionen.

Blockchain-Projekte sind wieder in Mode. Nach mageren zwei Jahren erlebten die virtuellen Konkurrenten von Euro und Dollar 2020 einen gewaltigen Aufschwung, allein die digitale Leitwährung Bitcoin hat sich im Wert verdreifacht.

Schon sprießen neue Angebote – oft aus dunklem Boden. Ende 2019 verordnete die deutsche Finanzaufsicht die Rückabwicklung der internationalen Kryptowährung Karatgold, deren Wertverfall seitdem dramatische Züge angenommen hat. Nun startet Josip Heit, einer der Hintermänner, ein Projekt mit neuem Namen und neuer Botschafterin: Sophia Thomalla.

Diesmal soll es anders werden. „Der G999 ist einzigartiges elektronisches System, Kartenlesegerät und App, welches für Telekommunikation und Messenger … schnelle Zahlungen, Mikrogebühren und eine Vielzahl weiterer Optionen ermöglicht“, sagt Heit. G999 basiere auf der Blockchain-Technologie, mit der auch bekannte Kryptowährungen wie Bitcoin arbeiten.

Thomalla, so sagt sie selbst, ist „schon seit geraumer Zeit an allem interessiert, was mit Blockchain-Technologie zu tun hat.“ An ihre 1,2 Millionen Follower auf Instagram schreibt sie: „Die digitale Währung ist meines Erachtens nicht aufzuhalten. Ich weiß, dass sie kommen wird.“

Thomallas Werbespot für G999 wurde zur Premiere großflächig am Times Square in New York ausgestrahlt, bald soll er auch in Moskau, Johannesburg, Bangkok und vielen anderen Weltmetropolen zu sehen sein. Dazu Thomalla: „Krass!“

Es ist unklar, ob Thomalla weiß, wie krass die Vorgeschichte ihres Geschäftspartners ist. Bei der Karatbars-Gruppe war Josip Heit „Chairman of the Board“. Die angepriesene virtuelle Währung, der KBC, war angeblich mit echten Goldreserven gedeckt.

„Blockchain“, „Krypto“ und „Gold“ – eine Kombination, die Anleger träumen ließ. Die Karatbars-Gruppe sammelte nach eigenen Angaben bis zu 100 Millionen Dollar ein. Heit verkündete: „Wir bringen das Gold zu den Menschen und versorgen sie mit der neuesten Technologie.“

Der Kurs des KBC stieg nach der Ausgabe auf elf Cent, dann stürzte er um mehr als 96 Prozent ab. Die Finanzaufsicht griff ein, die Staatsanwaltschaft in Koblenz bezweifelt, dass Goldreserven, welche die virtuelle Münze in der RealitätDas absichern sollten, je existierten.

Als die Bafin ein Handelsverbot und die Rückabwicklung des KBC anordnete, zog Karatbars dagegen vor Gericht. Ein Argument: Die deutsche Bafin sei gar nicht zuständig. Schließlich habe Karatbars das Anlegergeld 9000 Kilometer entfernt eingesammelt – über eine Stiftung im zentralamerikanischen Zwergstaat Belize.

Nachdem sich der KBC für die Anleger als Katastrophe entpuppte, werben inzwischen einflussreiche frühere Vertriebler von Karatbars-Produkten für Heits neues Projekt. Darüber hinaus kursieren Tutorials, wie Anleger ihre fast wertlosen KBC in G999 überführen können.

Parallel kam es zu einem Streit der ehemaligen Karatbars-Partner. Firmengründer Harald Seiz (57) und Heit trennten sich. „Die gesamte Karatbars-Gruppe hat jegliche Zusammenarbeit beendet“, teilte Seiz mit. Ein Anwalt von Heit richtete aus, es bestehe „nachweislich“ keine Verbindung zu Karatbars.

Seiz und Heit tun nun so, als hätte es all die gemeinsamen Auftritte, Videos und Fotos nicht gegeben. Als hätten sie nicht einmal zu Ostern vor laufender Kamera angekündigt, fünf Tonnen Gold zu kaufen. Und als habe es das Dossier mit dem Titel „Josip Heit, ein Erfolgsmensch“ nicht gegeben, in dem die GSB erklärte, Heit sei 2017 als Partner bei Karatbars eingestiegen.

Ihr Zerwürfnis wird auch vor Gericht ausgetragen. Seiz verklagte den Berliner Anwalt Falk Rodig. Der Kommunalpolitiker der AfD trat auf der Webseite von Heits neuer Firma als „Chief Operating Officer“ auf und soll sich zugleich um Finanztransaktionen von Karatbars an Dritte gekümmert haben. Seiz hatte zuletzt versucht, das Vermögen Rodigs zu arrestieren – bislang vergeblich.

Nach Darstellung von Karatbars habe Seiz den Juristen Rodig beauftragt, zehn Millionen Euro mithilfe seines Anderkontos zu verwalten und an Dritte zu transferieren. Hohe Beträge sollen an Heits GSB weitergeflossen sein. Karatbars fordert Geld zurück. Seiz wollte auf Nachfrage das laufende juristische Verfahren nicht kommentieren.

Rodig beruft sich auf seine anwaltliche Schweigepflicht. Eines wäre ihm aber wichtig: Er habe nie eine Vorstandsfunktion bei Heits neuer Firma innegehabt. Wie sein Name und sein Foto auf deren Webseite gelangten, könne er nicht erklären.

Mit dem Streit zwischen den ehemaligen Geschäftspartnern begann ein Wettlauf. Heit bewirbt mit aller Kraft und Sophia Thomalla sein Projekt G999, Seiz arbeitet an einem eigenen neuen Blockchain-Projekt, dem sogenannten „V999“.

Die große Stärke der beiden Ex-Partner war früher ihre Ausrichtung auf den Vertrieb. Tausende von Verkäufern drückten auf Provisionsbasis die Karatbars-Währung KBC in den Anlegermarkt von Deutschland über Kanada bis in südafrikanische Townships. Während Seiz“ V999 noch auf sich warten lässt, haben sich hochrangige Vertriebspartner auf die Seite von Heit geschlagen und preisen G999 an.

Blockchain-Geldsysteme sind kaum reguliert. Die Technologie hinter den einzelnen Angeboten ist für viele Anleger nur schwer zu verstehen, die Geschäftspläne müssen nicht wie bei einem Börsengang detailliert in Prospekte gedruckt werden.

Üblich sind sogenannte Whitepaper, welche die Absichten der Anbieter und das Zahlenwerk dahinter nur vage umreißen. So heißt es in einer Pressemittelung der GSB: „Unser Blockchain-Ökosystem ist quelloffen und basiert auf Computertechnologie, die es jedem ermöglicht, sein neues oder bereits etabliertes Unternehmen nach einem Proof-of-Stake-Modell zu entwickeln.“

Was sich dahinter verbirgt, wirkt unklar. Seine Firma, die GSB, nennt Heit „einen internationalen Mischkonzern mit Sitz am Hamburger Hafen“. Dabei zog die GSB erst vor zwei Jahren von Düsseldorf nach Hamburg. Bis 2018 lautete der Firmenname: GCC Gazella Corporate Capital GmbH, deren wichtigstes Asset war lange offenbar ein Steinbruch in Kroatien. Nun bietet GSB ein Geldsystem auf Basis der Blockchain-Technologie an.

Fachleute wie Roman Reher von „Blocktrainer“ oder Portale wie „Blockchainwelt“ warnen vor hohen Risiken und sehen „Grund genug, die Glaubwürdigkeit des gesamten Projekts infrage zu stellen“.

Manche Anleger erinnern sich sicher noch gut an ein Video aus dem März 2019, als Heit und Seiz bei Karatbars noch Seite an Seite standen. Es zeigt die beiden in einem Tresorraum in Hongkong. Gleich daneben: ein kleiner Berg von Gold. Angeblich 1,4 Tonnen Gold, angeblich zur Absicherung des „goldbasierten“ Bezahlsystems von Karatbars. Was aus dem Goldschatz geworden ist, wollen weder Seiz noch Heit erklären.

In dem Video aus Hongkong war auch Alex B. (Alex Bodi) zu sehen. Der durchtrainierte Rumäne begleitete Heit oft auf seinen Reisen. Bei Instagram gab es Bilder, wie sie sich barfuß in den Ledersesseln eines Privatjets räkeln oder im Dachpool über Singapur die Muskeln spielen lassen. „Brothers for Live“, schrieb B. (Bodi) darunter.

Am 11. November 2020 wurde Alex B. (Alex Bodi) verhaftet. Ein Spezialkommando der rumänischen Polizei stürmte seine Villa nördlich von Bukarest. Die Behörden werfen Alex B. vor, als rechte Hand eines Mafia-Paten Frauen zur Prostitution gezwungen zu haben – auch in Deutschland.

Josip Heit ließ Fragen des Handelsblatts zu seinem Verhältnis zu Alex B. (Alex Bodi) unbeantwortet. Stattdessen drohte er, das Handelsblatt in den USA verklagen zu wollen. Karatbars-Chef Seiz will trotz gemeinsamer Reisen nichts mit Alex B. (Alex Bodi) zu tun gehabt haben. Der sei lediglich Mitglied der „Heit-Entourage“ gewesen.

Sophia Thomalla ließ auf Nachfrage ausrichten, diese Seite ihres neuen Geschäftspartners Heit nicht zu kennen. Sie habe Alex B. (Alex Bodi) „niemals gesehen oder bewusst getroffen“, sagt Thomalla. Ihr Anwalt schrieb dem Handelsblatt, die deutsche Instagram-Ikone werde sich nicht zu Sachverhalten äußern, „von denen sie keinerlei Kenntnis hat und in die sie weder involviert war noch ist“.

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